Familienbuch erstellen
Ein Familienbuch erstellen bedeutet mehr, als Fotos in einen Ordner zu kleben oder Daten in eine Tabelle einzutragen. Es bedeutet, die Stimmen derer festzuhalte…
· 16 Min. Lesezeit · von autobiographai
Ein Familienbuch erstellen bedeutet mehr, als Fotos in einen Ordner zu kleben oder Daten in eine Tabelle einzutragen. Es bedeutet, die Stimmen derer festzuhalten, die vor uns waren, und sie an jene weiterzugeben, die nach uns kommen. Wer eine Familienchronik schreiben möchte, steht vor der Frage: Wie erstelle ich ein Familienbuch, das nicht nur Fakten sammelt, sondern Geschichten bewahrt? Ein Erinnerungsbuch Familie verbindet Fotografien mit Erzählungen, Dokumente mit Emotionen, Interviews mit dem roten Faden einer gemeinsamen Geschichte. Die Lebensgeschichte als Buch zu gestalten ist ein Projekt, das Generationen verbindet. Und die Frage Was gehört in ein Lebensbuch? lässt sich nicht mit einer Liste beantworten, sondern nur mit dem Verständnis dafür, was Familien zusammenhält: geteilte Erinnerungen, weitergegebene Werte, Geschichten, die am Küchentisch erzählt wurden und die sonst verloren gehen würden.
Was ein Familienbuch von anderen Erinnerungsformen unterscheidet
Mehr als ein Fotoalbum: Die Verbindung von Bild und Geschichte
Ein Fotoalbum zeigt Gesichter. Ein Familienbuch erklärt, wer diese Menschen waren, was sie angetrieben hat, welche Entscheidungen ihr Leben geprägt haben. Das Foto des Großvaters im Sonntagsanzug wird erst lebendig, wenn daneben steht, dass er diesen Anzug zur Hochzeit seiner Tochter trug, obwohl er sich kaum leisten konnte, und dass er drei Stunden lang tanzte, obwohl sein Knie schmerzte.
Die Verbindung von Bild und Text schafft etwas, das keines von beiden allein erreicht. Das Bild gibt dem Text ein Gesicht. Der Text gibt dem Bild eine Seele. Wer ein Lebensbuch gestalten möchte, muss beide Elemente als gleichwertig betrachten. Ein Foto ohne Kontext ist in zwanzig Jahren nur noch ein Bild eines Fremden. Ein Text ohne Bilder bleibt abstrakt, schwer greifbar.
Der Unterschied zur klassischen Autobiografie
Eine Autobiografie erzählt das Leben einer einzelnen Person aus deren Perspektive. Ein Familienbuch weitet den Blick. Es kann mehrere Generationen umfassen, verschiedene Stimmen zu Wort kommen lassen, Querverbindungen zwischen Lebensgeschichten aufzeigen.
Der Onkel, der nach Argentinien auswanderte. Die Tante, die als erste Frau in der Familie studierte. Die Großeltern, die sich im Krieg kennenlernten. All diese Geschichten existieren parallel, beeinflussen einander, formen das, was die Familie heute ist. Eine Familiengeschichte dokumentieren heißt, diese Fäden sichtbar zu machen.
Das bedeutet auch: Ein Familienbuch muss nicht in der Ich-Form geschrieben sein. Es kann in der dritten Person erzählen, kann zwischen Perspektiven wechseln, kann Interviews direkt zitieren. Die Form folgt dem Inhalt.
Warum gedruckte Bücher überdauern, was digitale Archive nicht können
Der USB-Stick in der Schublade. Die Festplatte, deren Anschluss kein aktueller Computer mehr liest. Der Cloud-Dienst, der in fünf Jahren vielleicht nicht mehr existiert. Digitale Archive sind fragil, auch wenn sie unbegrenzt erscheinen.
Ein gedrucktes Buch liegt im Regal. Es braucht keinen Strom, keine Software, kein Passwort. Kinder können es durchblättern, Enkelkinder es in Jahrzehnten wiederfinden. Die physische Präsenz eines Buches hat eine andere Wirkung als eine Datei. Es wird herumgereicht, aufgeschlagen, vorgelesen. Es existiert als Gegenstand, nicht nur als Information.
Das soll nicht heißen, dass digitale Sicherung unwichtig wäre. Im Gegenteil: Alle Fotos, Interviews und Dokumente sollten digital archiviert werden, an mehreren Orten, in gängigen Formaten. Aber das fertige Familienbuch verdient den Druck. Es verdient, als Objekt zu existieren.
Die Struktur eines Familienbuchs planen
Chronologisch, thematisch oder nach Generationen
Drei Grundmodelle haben sich bewährt, jedes mit eigenen Stärken.
Chronologisch bedeutet: Die Geschichte beginnt am frühesten dokumentierten Punkt und arbeitet sich zur Gegenwart vor. Vorteil: Der Leser folgt einem klaren Zeitstrahl, versteht Ursache und Wirkung. Nachteil: Bei mehreren Familienzweigen kann die Erzählung springen, wenn parallel Geschichten passieren.
Thematisch bedeutet: Kapitel widmen sich Themen wie Arbeit, Krieg, Auswanderung, Liebe, Verlust. Vorteil: Tiefe Auseinandersetzung mit einzelnen Aspekten, überraschende Verbindungen zwischen Generationen. Nachteil: Der Leser verliert leichter den zeitlichen Überblick.
Nach Generationen bedeutet: Jede Generation bekommt ihren eigenen Teil. Urgroßeltern, Großeltern, Eltern, eigene Generation. Vorteil: Klare Gliederung, jeder Teil kann für sich stehen. Nachteil: Querverbindungen zwischen Generationen werden weniger sichtbar.
| Struktur | Vorteile | Nachteile | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Chronologisch | Klarer Zeitstrahl, Ursache-Wirkung sichtbar | Kann bei mehreren Zweigen springen | Lineare Familiengeschichten |
| Thematisch | Tiefe, überraschende Verbindungen | Zeitliche Orientierung schwieriger | Familien mit prägendem Thema |
| Nach Generationen | Klare Gliederung, Teile stehen für sich | Querverbindungen weniger sichtbar | Umfangreiche Mehrgenerationenprojekte |
Die Entscheidung hängt vom Material ab. Wer vor allem die Kriegserlebnisse der Großeltern dokumentieren möchte, wählt vielleicht thematisch. Wer drei Generationen gleichmäßig abdecken will, arbeitet nach Generationen. Wer eine lineare Familiengeschichte hat, die von A nach B führt, wählt chronologisch.
Welche Zeiträume und Personen einbeziehen
Die Versuchung ist groß, alles zu wollen. Jede Tante, jeden Onkel, jeden Zweig des Stammbaums. Das Ergebnis: Ein Projekt, das nie fertig wird.
Besser: Fokus setzen. Drei Generationen sind ein guter Rahmen für die meisten Familienbücher. Weiter zurück fehlt oft das Material, weiter vor sind die Geschichten noch nicht abgeschlossen.
Welche Personen? Die, deren Geschichten Sie kennen oder recherchieren können. Die, die für den Zusammenhalt der Familie wichtig waren. Die, deren Leben exemplarisch für eine Zeit, einen Ort, eine Erfahrung steht.
Es ist erlaubt, Lücken zu lassen. Nicht jeder Zweig muss gleich ausführlich behandelt werden. Ein Familienbuch ist kein Stammbaum, der Vollständigkeit verlangt. Es ist eine Erzählung, die Schwerpunkte setzen darf.
Der rote Faden: Was hält das Buch zusammen
Ohne roten Faden zerfällt ein Familienbuch in lose Anekdoten. Der rote Faden kann vieles sein: Ein Ort, an dem mehrere Generationen gelebt haben. Ein Beruf, der sich durch die Familie zieht. Ein Ereignis wie eine Auswanderung oder ein Krieg, das alle geprägt hat. Ein Wert wie Bildung, Zusammenhalt, Widerstand.
Der rote Faden muss nicht im Voraus feststehen. Oft zeigt er sich erst beim Sammeln des Materials. Plötzlich fällt auf, dass drei Generationen denselben Fehler gemacht haben. Oder dass ein bestimmter Satz immer wieder auftaucht. Oder dass alle Frauen der Familie eine ähnliche Entscheidung treffen mussten.
Wer seinen roten Faden gefunden hat, kann ihn in der Einleitung benennen und in jedem Kapitel aufgreifen. Er gibt dem Leser Orientierung und dem Buch Tiefe.
Umfang festlegen: Von 50 bis 300 Seiten
Ein Familienbuch kann dünn sein. 50 Seiten, die das Wesentliche festhalten, sind wertvoller als 300 Seiten, die niemand liest. Der Umfang hängt vom Ziel ab.
Kompakt (50-80 Seiten): Fokus auf eine Generation oder ein Thema. Viele Bilder, kurze Texte. Gut als Geschenk, leicht zu lesen.
Mittel (100-150 Seiten): Zwei bis drei Generationen, ausführlichere Texte, Interviews, Dokumente. Der klassische Umfang für ein Familienbuch.
Umfangreich (200+ Seiten): Mehrgenerationenprojekt mit vielen Stimmen, tiefer Recherche, ausführlichen Kapiteln. Eher für Familien mit viel dokumentiertem Material.
Die Faustregel: Lieber kürzer und fertig als umfangreich und ewig in Arbeit. Ein Familienbuch, das in der Schublade liegt, erfüllt seinen Zweck nicht.
Material sammeln: Interviews, Fotos, Dokumente
Welche Fragen Sie Ihren Angehörigen stellen sollten
Die besten Geschichten kommen nicht auf Fragen wie „Wann bist du geboren?" oder „Wo hast du gearbeitet?". Sie kommen auf Fragen, die zum Erzählen einladen.
Statt „Wie war deine Kindheit?" besser: „Was war der Geruch, den du mit dem Haus deiner Großmutter verbindest?" Statt „Wie hast du deinen Mann kennengelernt?" besser: „Was hast du gedacht, als du ihn zum ersten Mal gesehen hast?"
Fragen nach Sinneseindrücken öffnen Türen. Was hast du gehört? Was hast du gerochen? Was hast du gefühlt? Diese Fragen umgehen die üblichen Antworten und führen zu Details, die sonst vergessen werden.
Fragen nach Wendepunkten sind ebenfalls ergiebig. „Gab es einen Moment, der alles verändert hat?" „Was war die schwierigste Entscheidung deines Lebens?" „Worauf bist du stolz, auch wenn du nie darüber sprichst?"
Ein ausführlicher Leitfaden zum Interviewen von Eltern und Großeltern hilft, die richtigen Fragen zu finden.
Alte Fotos finden, sortieren und beschriften
Der Schuhkarton auf dem Dachboden. Die Kiste im Keller. Die Alben, die seit Jahrzehnten niemand mehr aufgeschlagen hat. Dort liegt das Material.
Der erste Schritt ist das Sichten. Alle Fotos an einen Ort bringen, grob sortieren nach Jahrzehnten oder Personen. Noch nicht aussortieren, erst einen Überblick gewinnen.
Der zweite Schritt ist das Beschriften. Jedes Foto, das identifiziert werden kann, sofort beschriften. Wer ist abgebildet? Wann ungefähr? Wo? Bei welchem Anlass? Diese Informationen verschwinden mit den Menschen, die sie noch wissen. In zehn Jahren kennt niemand mehr die Gesichter.
Der dritte Schritt ist das Digitalisieren. Entweder mit einem Scanner oder mit spezialisierten Apps, die alte Fotos abfotografieren und aufbereiten. Die digitalen Kopien in mehreren Backups sichern, mit den Beschriftungen in den Metadaten oder Dateinamen.
Ein eigener Artikel zum Archivieren von Familienfotos vertieft dieses Thema.
Dokumente, die Geschichte erzählen: Briefe, Urkunden, Zeitungsausschnitte
Nicht nur Fotos bewahren Erinnerungen. Dokumente erzählen oft mehr als Bilder.
Briefe sind Gold wert. Die Feldpost des Großvaters, die Briefe der ausgewanderten Tante, die Liebesbriefe der Eltern. Sie zeigen nicht nur, was passiert ist, sondern wie die Menschen dachten, fühlten, sich ausdrückten.
Urkunden markieren Wendepunkte. Geburtsurkunden, Heiratsurkunden, Sterbeurkunden. Aber auch Zeugnisse, Arbeitsverträge, Einbürgerungspapiere. Jedes Dokument erzählt eine Geschichte, wenn man sie zu lesen weiß.
Zeitungsausschnitte ordnen das Familienleben in die größere Geschichte ein. Der Bericht über die Hochzeit der Großeltern. Die Anzeige des Familienbetriebs. Der Nachruf auf den Urgroßvater.
Alle Dokumente digitalisieren, beschriften, sicher aufbewahren. Die Originale, wenn möglich, archivgerecht lagern.
Tonaufnahmen als Ergänzung zum geschriebenen Wort
Die Stimme eines Menschen zu hören ist etwas anderes, als seine Worte zu lesen. Der Tonfall, die Pausen, das Lachen, das Zögern. All das geht in der Verschriftlichung verloren.
Tonaufnahmen können ein Familienbuch ergänzen, auch wenn sie nicht gedruckt werden können. Ein QR-Code im Buch, der zu einer Audiodatei führt. Ein USB-Stick, der dem Buch beiliegt. Eine private Website, auf der die Aufnahmen zugänglich sind.
Die technische Hürde ist gering. Ein Smartphone reicht für brauchbare Aufnahmen. Wichtig: Ruhige Umgebung, nah am Sprecher, keine Hintergrundgeräusche.
Ein Leitfaden zum Aufnehmen der Stimmen von Angehörigen erklärt die Details.
Vom Rohmaterial zum fertigen Text
Interviews in lesbare Geschichten verwandeln
Ein transkribiertes Interview ist noch kein Text. Gesprochene Sprache ist voller Wiederholungen, Abschweifungen, unvollständiger Sätze. Sie direkt abzudrucken würde den Leser ermüden.
Die Aufgabe: Das Wesentliche herausarbeiten, ohne die Stimme des Erzählers zu verlieren. Wiederholungen streichen, aber charakteristische Wendungen behalten. Chronologie ordnen, aber nicht künstlich glätten. Lücken markieren, nicht kaschieren.
Ein guter Test: Würde die interviewte Person sich im Text wiedererkennen? Würde sie sagen: „Ja, so habe ich das gemeint"? Dann ist der Text gelungen.
Die eigene Stimme finden: Wer erzählt?
Die Frage der Erzählperspektive ist grundlegend. Drei Optionen:
Sie selbst als Erzähler. Sie schreiben in der dritten Person über Ihre Angehörigen, kommentieren, ordnen ein, verbinden. Vorteil: Einheitliche Stimme, klare Struktur. Nachteil: Die Stimmen der Porträtierten treten zurück.
Die Porträtierten in der Ich-Form. Sie lassen Ihre Angehörigen selbst erzählen, in direkter Rede oder als Ich-Erzählung. Vorteil: Unmittelbarkeit, Authentizität. Nachteil: Unterschiedliche Stile, manche erzählen besser als andere.
Mischform. Sie als Rahmenerzähler, die Porträtierten in Zitaten und Einschüben. Vorteil: Flexibilität, das Beste aus beiden Welten. Nachteil: Erfordert sorgfältige Balance.
Die Entscheidung hängt vom Material ab. Wenn die Interviews lebendig und ausführlich sind, können die Stimmen der Porträtierten tragen. Wenn das Material lückenhaft ist, braucht es einen Erzähler, der verbindet.
Lücken füllen, ohne zu erfinden
Erinnerungen haben Lücken. Manche Jahre sind vergessen, manche Personen bleiben blass, manche Ereignisse unklar. Die Versuchung ist groß, diese Lücken zu füllen, zu interpolieren, zu vermuten.
Die Regel: Markieren, was unsicher ist. „Vermutlich war es im Sommer 1953." „Ob sie sich damals schon kannten, ist unklar." „Die genauen Umstände sind nicht überliefert."
Ehrlichkeit über Lücken ist kein Makel. Sie zeigt, dass das Buch sorgfältig ist, dass es nicht erfindet, was es nicht weiß. Leser schätzen das.
Was erlaubt ist: Historischer Kontext. Wenn Sie wissen, dass Ihre Großmutter 1945 in Dresden war, dürfen Sie beschreiben, was in Dresden 1945 geschah. Sie dürfen nicht erfinden, was Ihre Großmutter dabei erlebt hat, wenn sie es nicht erzählt hat.
Fotos und Text verbinden
Ein Foto braucht eine Bildunterschrift. Aber eine gute Bildunterschrift ist mehr als „Großvater, 1962". Sie erzählt etwas, das im Text nicht steht, oder vertieft, was der Text anreißt.
„Großvater an seinem letzten Arbeitstag in der Fabrik. Er hatte 43 Jahre dort gearbeitet. Der Anzug war neu, gekauft für diesen Anlass."
Die Platzierung der Fotos folgt dem Text. Das Foto erscheint dort, wo die Geschichte erzählt wird, nicht in einem separaten Bildteil am Ende. So kann der Leser Bild und Text zusammen aufnehmen.
Technisch: Fotos in ausreichender Auflösung einbinden, mindestens 300 dpi für den Druck. Farbfotos und Schwarzweißfotos können gemischt werden, aber ein einheitlicher Stil (zum Beispiel alle Schwarzweißfotos leicht getönt) schafft Kohärenz.
Heikle Themen und Familiengeheimnisse
Was erzählt werden darf und was nicht
Nicht jede Geschichte gehört in ein Familienbuch. Die Frage ist nicht, was interessant wäre, sondern was erzählt werden sollte.
Faustregel: Geschichten über Verstorbene haben mehr Spielraum als Geschichten über Lebende. Was jemand zu Lebzeiten nicht öffentlich gemacht hat, verdient auch nach dem Tod Respekt. Aber die Schwelle ist niedriger.
Was sicher erzählt werden darf: Öffentlich bekannte Fakten. Was die Person selbst erzählt hat. Was für das Verständnis der Familiengeschichte wesentlich ist.
Was sorgfältige Abwägung braucht: Fehler, Versagen, Schande. Nicht um sie zu verschweigen, aber um sie angemessen einzuordnen. Der Großvater, der in der Partei war. Die Tante, die ihr Kind weggegeben hat. Der Onkel, der im Gefängnis saß.
Ein vertiefender Artikel behandelt, wie man über Familie schreibt, ohne zu verletzen.
Lebende Personen schützen
Lebende Personen haben Rechte. Sie haben das Recht, nicht in einem Buch zu erscheinen, das sie nicht autorisiert haben. Sie haben das Recht, nicht mit Geschichten konfrontiert zu werden, die sie geheim halten wollten.
Praktisch bedeutet das: Gespräche führen, bevor das Buch gedruckt wird. Nicht um Erlaubnis bitten (das kann lähmend wirken), aber um zu informieren. „Ich schreibe ein Familienbuch. Du kommst darin vor. Möchtest du wissen, was ich über dich schreibe?"
Manche werden Einwände haben. Manche werden bitten, Passagen zu streichen oder zu ändern. Diese Bitten ernst nehmen. Ein Familienbuch, das die Familie spaltet, verfehlt seinen Zweck.
Konflikte, Brüche, Schmerz: Wie viel Wahrheit verträgt das Buch?
Ein Familienbuch, das nur Sonnenschein zeigt, ist unglaubwürdig. Jede Familie hat Konflikte, Brüche, Schmerz. Die Frage ist nicht, ob sie erwähnt werden, sondern wie.
Konflikte können benannt werden, ohne alle Details auszubreiten. „Die Beziehung zwischen meinem Vater und seinem Bruder war schwierig. Sie sprachen Jahre nicht miteinander. Die genauen Gründe hat keiner von beiden je erklärt."
Brüche können als Tatsachen stehen, ohne Schuldzuweisungen. „1975 trennten sich meine Eltern. Mein Vater zog nach Hamburg, meine Mutter blieb mit uns in München."
Schmerz verdient Respekt, nicht Voyeurismus. Die Trauer um ein verstorbenes Kind kann erwähnt werden, ohne die Eltern bloßzustellen. Der Selbstmord eines Angehörigen kann Teil der Geschichte sein, ohne zur Sensation zu werden.
Die Leitfrage: Würde die betroffene Person, wenn sie das Buch lesen könnte, sich fair behandelt fühlen?
Das Buch gestalten und drucken lassen
Selbst gestalten oder professionelle Hilfe nutzen
Beide Wege führen zum Ziel. Die Entscheidung hängt von Zeit, Budget und gestalterischem Anspruch ab.
Selbst gestalten ist möglich mit Layoutprogrammen wie Canva, Adobe InDesign oder spezialisierten Fotobuch-Editoren. Vorteile: Volle Kontrolle, niedrigere Kosten, Lernerfahrung. Nachteile: Zeitaufwand, Lernkurve, Risiko von Amateurfehlern.
Professionelle Hilfe kann bedeuten: Ein Grafikdesigner für das Layout. Ein Lektor für den Text. Ein Biograf, der das gesamte Projekt begleitet. Vorteile: Professionelles Ergebnis, Zeitersparnis, Außenperspektive. Nachteile: Kosten, Abhängigkeit, weniger Kontrolle.
Ein Mittelweg: Den Text selbst schreiben, das Layout professionell machen lassen. Oder umgekehrt: Professionelle Hilfe beim Schreiben, selbst gestalten.
autobiographai bietet einen weiteren Weg: Ein KI-Biograf, der Fragen stellt, Antworten ordnet und aus den Erinnerungen ein strukturiertes Manuskript formt. Die Gestaltung bleibt in Ihrer Hand, aber die schwierige Arbeit des Fragens und Ordnens übernimmt das System.
Software und Dienste für Familienbücher
Der Markt bietet zahlreiche Optionen, von einfach bis professionell.
Fotobuch-Dienste wie Cewe, Pixum oder Blurb eignen sich für bildlastige Familienbücher mit kurzen Texten. Die Editoren sind einfach zu bedienen, die Druckqualität ordentlich, die Preise moderat.
Self-Publishing-Plattformen wie Amazon KDP, BoD oder Epubli eignen sich für textlastige Bücher. Sie bieten mehr Gestaltungsfreiheit, erfordern aber mehr technisches Wissen.
Layoutprogramme wie Adobe InDesign oder Affinity Publisher bieten volle Kontrolle, setzen aber Einarbeitung voraus. Für ambitionierte Projekte lohnt sich der Aufwand.
Lokale Druckereien können eine Option sein für hochwertige Einzelstücke oder kleine Auflagen. Persönliche Beratung, individuelle Papierauswahl, aber höhere Kosten.
Papier, Einband, Format: Was hält Generationen?
Ein Familienbuch soll Jahrzehnte überdauern. Die Materialwahl ist entscheidend.
Papier: Säurefreies Papier ist Pflicht. Es vergilbt nicht, wird nicht brüchig. Für Fotos eignet sich mattes oder seidenmattes Papier besser als Hochglanz, das klebt und Fingerabdrücke zeigt.
Einband: Hardcover hält länger als Softcover. Leinen oder Kunstleder sind robuster als beschichteter Karton. Eine Fadenheftung ist stabiler als eine Klebebindung.
Format: A4 oder etwas kleiner (etwa 21 x 21 cm) bietet genug Platz für Fotos und Text. Zu große Formate sind unhandlich, zu kleine schränken die Gestaltung ein.
Die Investition in gute Materialien lohnt sich. Ein Familienbuch, das nach zwanzig Jahren auseinanderfällt, verfehlt seinen Zweck.
Auflage und Kosten realistisch einschätzen
Die Kosten hängen von Umfang, Auflage und Ausstattung ab. Einige Orientierungswerte:
| Variante | Seiten | Auflage | Kosten pro Exemplar |
|---|---|---|---|
| Fotobuch (Cewe, Pixum) | 80-120 | 1-5 | 40-80 € |
| Self-Publishing (BoD, KDP) | 150-200 | 10-20 | 15-30 € |
| Lokale Druckerei, Hardcover | 150-200 | 10-20 | 50-100 € |
| Hochwertige Kleinstauflage | 200+ | 5-10 | 100-200 € |
Die Auflage klug planen. Wie viele Familienmitglieder sollen ein Exemplar bekommen? Einige Reserveexemplare für später Geborene einplanen. Aber nicht zu viele drucken, die dann im Keller verstauben.
Manche Dienste bieten Nachdrucke auf Abruf. Das reduziert das Risiko, zu viele zu drucken, erhöht aber den Stückpreis.
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